Franzosenzeit

Mit dem Ende  des ersten Weltkrieges und dem damit verbundenen Zusammenbruch des  deutschen Kaiserreiches besetzten im Dezember 1918 französische Truppen  den Übungsplatz auf dem Griesheimer Sand. Mit der Unterzeichnung des  Versailler Vertrages am 28. Juni 1919 richteten sich die Franzosen auf  eine vertraglich festgelegte mindestens 15-jährige Besetzung ein. Die  besetzten Gebiete im Westen Deutschlands unterteilten sich in drei  verschiedene Zonen welche fünf, zehn oder 15 Jahre unter Aliierter  Hoheit bleiben sollten. Dieses Frist war gekoppelt mit der Forderung das alle im Friedensvertrag von Versailles festgelegten Verpflichtungen von Seiten Deutschlands erfüllt werden Der Teil XIV, Abschnitt 1, Artikel  428-432 legte die genauen Bedingungen und Fristen sowie die  geographischen Gegebenheiten fest. Vertraglich festgelegt waren auch das bei Verstößen seitens der deutschen gegen vertragliche Regelungen die  Besetzung nach dem Belieben der Aliierten und ohne Nennung von Fristen  und Besatzungszeiten verlängert werden konnten. Die Besetzung weiter  Teile im Westen des deutschen Reiches bezeichneten die Aliierten als  "Bürgschaft", in der Hauptsache für die weitreichenden  Reparationsleistungen in Form von immensen Kohlelieferungen sowie der  Zahlung von Goldmark in Milliardenhöhe.

Französische  Besatzungseinheit vor dem Crumstädter Rathaus im Jahre 1919. Vermutlich  handelte es sich noch um eine aktive Truppe aus dem Weltkrieg, bei fast  allen sind Orden erkennbar, die bald abgelöst wurde. Bis September 1924  übernahmen Kolonialtruppen die Grenzsicherung. Unterstützt wurden diese  durch einen Französischen Zollbeamten zur Kontrolle der Ein- und  Ausgeführten Waren.

Griesheim  gehörte zum Brückenkopf Mainz der für eine mindestens fünfzehnjährige  Frist unter alierter Kontrolle bleiben sollte. Der Rechtsrheinische  Teil umfasste das Gebiete das im Osten bis in die Frankfurter Vororte  Höchst, Nied, Sossenheim und Schwanheim sowie Unterliederbach reichte.  Ebenso gehörten große Teile Wiesbadens zu diesem Gebiet. Griesheim war  einer der vordersten Punkte in südlicher Richtung und einer der größten  Garnisonsstandorte der Franzosen. Von Griesheim aus wurden die  Mannschaften der Vorposten an der Grenze zu den nicht besetzten Gebieten aus gestellt. Solche Grenzposten, deren Mannschaften in gewissen  Abständen, ausgetauscht wurden gab es z.B. in Crumstadt wo die Grenze zu Eschollbrücken den Verlauf der besetzten und unbesetzten Zone  markierte. Um von einer in die andere Zone zu gelangen mußte bei den  französischen Militärbehörden ein spezieller Passierschein beantragt  werden der streng kontrolliert wurde. Auch blühte der Schmuggel von  Waren, besonders Lebensmitteln, in diesen Gebieten. Die  Besatzungstruppen bestanden zum großen Teil aus Algerischen und  Marokkanischen Kolonialeinheiten, die Offiziere und auch größtenteils  die Unteroffiziere waren Franzosen. Im besetzten Teil Hessens dienten  ca. 6500 farbige Soldaten vorwiegend aus Nordafrika.

Wollte der  Maurermeister Dieter Michel von seiner Heimatgemeinde Crumstadt aus zu  Verwandten ins benachbarte Eschollbrücken so mußte er im Besitz eines  Ausweises sein der seinen Wohnsitz im besetzten Gebiet bescheinigte und  von den Französischen Besatzungstruppen kontrolliert wurde

Kolonialeinheiten der französischen Armee


Tirailleus de Algerians
Tirailleure waren ein Bestandteil der leichten Infanterie. Übersetzt bedeutet es  "Schützen". Diese Einheiten kämpften nicht in starrer Gefechtformation  sondern in aufgelösten Gruppen.
Zuaven
In der Französischen Armee 1830 in Algerien aufgestellt als "Corps des Zouaves". Bestanden  aus einem Volksstamm der schon seit Jahrhunderten als Söldner tätig war.
Turkos
Algerische Schützenregimenter die nach der Eroberung Algeriens aus Einheimischen gebildet wurden.
Indigénes
Sammelbegriff für die magrhebinischen und afrikanischen Soldaten (Eingeborene)
Goumiers
Soldats marocains de L´armée Francais

Die Offiziere, Unteroffiziere waren ursprünglich Franzosen. Nach den  Kriegen 1870/71 und dem 1. Weltkrieg gelangten aber auch zunemend  Kolonialsoldaten in Führungsränge.

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Soldaten des 170 Französischen Infanterie-Regiments

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Ganz im Stil  der deutschen Soldaten und Reservisten ließen sich diese Infanteristen  des 170 IR in Griesheim verewigen. Viele der Utensilien und Gegenstände  sind schon auf alten deutschen Fotos zu sehen. Markantester Unterschied  ist wohl das der Affe nun den Titel des deutschen Kaisers Wilhelm trägt.

Vor den Wellblechhütten sehen wir eine MG Einheit des 8. Infanterie-Regients mit ihren Hotchkiss Maschinengewehren

Die Bauten und Einrichtungen der Kaiserlichen Armee waren offenbar Ideal für die  Belange des Besatzungsmacht. Fast alles wurde komplett von den Franzosen übernommen, Umbaumaßnamen der Unterkünfte im größeren Stil sind nicht  bekannt jedoch wurden alle Straßen mit französischen Namen versehen. Auf den nachfolgenden Karten sind die Veränderungen der Namensgebung sehr  gut erkennbar. Viele der angebotenen Postkarten waren auch schon vor dem ersten Weltkrieg erhältlich, es wurde nur der Druckstock mit  französischer Beschriftung verändert.

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Wie fast alle  französischen Karten tragen auch diese viele Elemente aus deutscher  Zeit. So ist auf dieser Karte eine fast unveränderte Darstellung  des “Wirtschaftsviertels” zu sehen.

Den Namen von  General Joseph Simon Gallieni (1849-1916) trug diese Straße. Gallieni  wurde als Held der Schlacht an der Marne 1914 verehrt. Später wurde er  Kriegsminister bevor er 1916 in Versailles an den Folgen einer Operation verstarb

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Zum Andenken  an die 1. Schlacht an der Marne(5. - 12. September 1914) wurde diese  Straße im Lager Griesheim benannt. Diese Schlacht markierte den ersten  wichtigen Wendepunkt des Krieges und das Scheitern des Schlieffenplans.  In Frankreich spricht man ”Vom Wunder an der Marne”

"Camp Barbot"  trug diesen Namen zum Andenken an General Ernest Barbot (geb. 1855 in  Toulouse) dem Kommandeur der 77 Französischen Jägerdivision. Von den  Franzosen als “Kämpfer ohne Furcht und Tadel” oder “Retter von Arras”  bezeichnet. Er fiel am 10. Mai 1915 bei Souchez (Pas de Calais)

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Aus der Hauptlagerstraße wurde die “Grande Rue du Camp”

Die Flugzeughallen sind hier noch in vollem Umfang zu sehen. Später wurden sie von den Franzosen abgerissen.

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Louis Loyzeau de Grandmaison (1861-1915) Hochdekorierter General der französischen Armee

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Dieser Teil  des Lagers führte seinen Namen nach General Pierre Girondon. Dieser war  einer der jüngeren und begabtesten Befehlshaber der Französischen Armee. Im Range eines Brigadegenerals befehligte er die 12.  Infanteriedivision. Girondon fiel am 28. September 1916 bei einem  Gefecht an der Somme.

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Telefonzentrale

Die kaserne erhielt ihren Namen nach dem General Garnier du Plesis. Ausgezeichneter Heerführer in der Schlacht an der Marne und vor Verdun

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Oben:Kontrollstelle zwischen Griesheim und Darmstadt

Links: Französische Posten vor dem Crumstädter Rathaus. Das Schilderhausin der Mitte des Bildes hat die Zeiten überdauert und ist heute im Heimatmuseum zu bewundern.

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Renault FT 17 Griesheim

Einmarsch Französischer Truppen in Griesheim. Rechts ein Panzer des Typs Renault FT 17

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Einer der  letzten fotografischen Belege der Besatzungszeit. Artilleristen des 25.  Artillerie-Regiments mit ihrem Geschütz auf dem Griesheimer Sand. Kurze  Zeit nach dieser Aufnahme verließen die Franzosen Griesheim und auch  Deutschland.

Soldaten des 170 Infanterie-Regiments.

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Das Original Wachhaus der Franzosen das bis 1923 vor dem Crumstädter Rathhaus stand. Es ist bis heute in Privatbesitz erhalten und hier bei einer Ausstellung im Heimatmuseum von Crumstadt zu sehen

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Ein weiter Beleg der letzten Tage des AR 25.

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Zwei Fotos des 156 Infanterie-Regiments der Französischen Armee.

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Infanterie-Regiment Nr. 151e, 3. Kompanie, 25. August 1929

Stube 144 des gleichen Regiments

Archiv Peter Merschroth

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Karte aus dem Jahre 1922 zur Erinnerung an die Militärzeit in Darmstadt und Griesheim. Sehr schön die ausklappbaren Mini-Karten die stark verkleinert aus anderen Karten entstanden sind.

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Schöne Karte aus deutschen Beständen. Geschrieben im Jahr 1919 nach Frankreich

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Vom 19. Juni bis zum 3. Juli 1919 nutzte die Staffel SPA 69 der französischen Luftwaffe die vorhandenen Einrichtungen der Fliegerstation. Hier zusammen mit der Staffel SPA 67 mit ihren Spad XIII Maschinen in Griesheim.

Ab etwa Mitte 1919, hatte die Französische Luftwaffe folgende  Escadrilles (Staffeln) stationiert:
SPA 15
SPA 49
SPA 65
SPA 67
SPA 69
SPA 84
SPA 88
SPA 103
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Franz. Luftwaffe Mitte 1919

Zum Zeitpunkt des Waffenstillstandes 1918 war die Aéronautique Militaire mit über 90.000 Mann, 350 Staffeln und 3.222 Flugzeugen die stärkste Luftwaffe an der Westfront.  Sie hatte 2.049 Feindflugzeuge und 357 Fesselballons vernichtet. Sie  verlor über 3.500 Gefallene und 3.000 Verwundete und Vermisste. 2.000  Soldaten waren bei Unfällen ums Leben gekommen

Die Französische Luftwaffe auf dem Griesheimer Sand

SPAD VII

SPAD VIII

Nur für eine relativ kurze Zeit nutzten die Franzosen die Einrichtungen der ehemaligen Fliegerstation für ihre in den besetzten Gebieten stationierten Flieger-Einheiten.

Ausgerüstet waren die Staffeln mit Maschinen vom Typ SPAD (Société de Production des Aéroplanes Deperdussin) mit Firmensitz in Bétheney bei Reims. Es kamen die beiden Baumuster mit der Typenbezeichnung VII und VIII zum Einsatz

Sammlung Peter Merschroth